Ein aus 2500 leeren Kisten bestehender Cola-Mann in Johannesburg wird Fans aus aller Welt auf dem Mary Fitzgerald Platz in Newtown begrüßen. Gefertigt wurde der 15 Meter große Riese um ein Stahlgerüst von Porky Hefer im Rahmen der Recycling Initiative “Cratefan”, welche betont, dass alle zum Einsatz gekommenen Materialien nach der Weltmeisterschaft selbstverständlich wieder verwendet werden. Das scheint auch die ökologische Botschaft von Coca Cola zu sein, welche mit diesem Kunstwerk ihre Verpflichtung gegenüber dem Umweltschutz zeigen und außerdem gemäß Marketing Chefin Lanya Stanek “inspirieren und erziehen” wollen.

Saubere Sache. Im wahrsten Sinne des Wortes. Klingt allerdings schon ein wenig zu dick aufgetragen. Mit einem Giganten, der von weitem aussieht, als sei er der aus Lego Steinen bestehende Bruder des Marshmallowmans aus “Ghostbusters”, will man die Welt inspirieren und ihr die Bereitschaft zu mehr Recycling einbläuen? Mir drängt sich eher der Eindruck auf, als habe man einen Ersatzblickfang für den Cola Truck bauen lassen, den man ja leider erst wieder zur Weihnachtszeit auf Welttournee schicken kann.
Vielleicht irre ich mich aber auch, denn Coca Cola hat ja bereits vor zwei Jahren sein groß angelegtes Reycling Projekt gestartet. War den Amerikanern bis dahin das Schicksal seiner leeren Plastikflaschen relativ schnuppe, kündigte man etwas überraschend an, künftig jede verkaufte Flasche wiederverwerten zu wollen. Man habe sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt und wisse um die Arbeit, die noch zu tun ist, hieß es damals von Seiten des Nordamerika-Chefs Sandy Douglas. Und tatsächlich – Coca-Cola beteiligte sich am Bau einer Recycling-Anlage in Spartanburg County im Bundesstaat South Carolina. 45 Millionen Kilo recyclebares Material wird hier jährlich produziert, welches man auch für andere Konzernprodukte, also beispielsweise Merchandise Textilien, verwenden wolle.

Im Rahmen des sogenannten “Ticket Fund” Projekts animierte man außerdem kürzlich Schulkinder aus über 200 Schulen zur Sammlung von leeren Kunststoff-PET-Flaschen und Dosen und verteilte insgesamt 20.000 WM Tickets, je nach Fleiß der Schüler. Auf der offiziellen FIFA Seite kann man sich zudem darüber informieren, dass Coca Cola in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium einen Lehrplan zu den Themen Umwelt und Recycling entworfen hat, der in den partizipierenden Schulen zum Tragen gekommen sein soll.
Man kann sich natürlich nur Wünschen, dass diese ganzen Projekte der ernstlichen Wahrnehmung ökologischer Verantwortung entspringen und nicht bloß Fassade für eine weitere clevere Marketingkampagne sind. Ich bin da eher skeptisch und wünsche mir bei allem Umweltbewußtsein zunächst einmal, dass die zahlreichen vollmundigen Werbekampagnen und Videoclips nicht zu große Erwartungen bei vielen afrikanischen Kindern wecken, die kaum eingelöst werden können. Gegen die ist der Cola-Mann in Johannesburg nämlich harmlos.
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Von Leo Bender | 14.06.10 |
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