Die stehende Zahnbürste ist eine dieser Ideen, bei der man sich fragt, warum man nicht selber und viel früher daran gedacht hat. Anbieter DEWS befreit uns mit diesem nützlichen Gebrauchsgegenstand von den sorgenvollen Gedanken, die einem bei Aufenthalt in etwas unhygienischeren Gefilden beschleichen mögen. Durch das eingebaute Gewicht am unteren Ende des Stils und das rundliche Desgin richtet sich die Zahnbürste, ähnlich einer dieser sich selbst aufstellenden Puppen, automatisch auf wenn man sie abstellt und vermeidet somit unerwünschte Verschmutzungen des Bürstenkopfs.

Nicht unverdient heimste Designer Lee Eunhak und das dahinter stehende Ryan Harc Studio die sogenannte “Red Dot” Auszeichnung für eine besonders clevere Idee ein. Berücksichtigt wurde dabei aller Wahrscheinlichkeit nicht nur der Hygiene Aspekt, sondern auch der begrüßenswerte pädagogische Impact, den die Zahnbürste durch den spaßversprechenden Gebrauch auf das Zahnputzverhalten von Kindern haben dürfte. Nicht nur bei gebräuchlichen Haushaltsgegenständen, sondern auch bei vielen anderen Dingen fragt man sich, warum man erst so spät auf den Trichter kam, ihnen ihr heutiges Design zu verpassen. Putzt man sich nicht mit dem nötigen Eifer die Zähne, wird man beispielsweise früher oder später zum Zahnarzt müssen. Die Prozedur, die zur Rettung des vorhandenen Schmelzbestandes beitragen soll, stellt für die meisten eine ziemlich unangenehme Erfahrung dar. Wieso muss man die psychologische Belastung zusätzlich dadurch in die Höhe treiben, dass man sowohl Wartezimmer, als auch Behandlungsraum so steril wirken lässt, als säße man im Vorraum der Todeszelle? Mittlerweile bedenkt man Kinder mit einer Spielecke, stellt vielleicht auch mal ein Aquarium auf und gönnt dem Patienten in besonders luxuriös ausgestatteten Praxen sogar behandlungsbegleitende Unterhaltung durch Hollywood Blockbuster via Deckenbildschirm. Spielkonsolen müssen nicht mäuschengrau sein, Wecker dürfen einen morgens ruhig mit etwas anderem als Herzrhythmus Störungen verursachenden Bimmelgewittern aus dem Schlaf reißen und der Wetterbericht muss nicht danach klingen, als sei gerade jemand verstorben.

Na gut ich gebe es zu – so naheliegend wie bei vielen der genannten Beispiele war die Verbesserung des Zahnbürstendesigns nicht. Dennoch – sobald das Teil in Deutschland erhältlich ist, wird meine Colgate 360º wohl das Feld räumen müssen. Wenn dann allerdings neugierige Besucher auf die Idee kommen werden, mit ihren ungewaschenen Grabbelfingern daran herum zu spielen, könnte das ganze Konzept der stehenden Zahnbürste ad absurdum geführt werden.
[Via Yanko Design]
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Von Leo Bender | 17.07.10 |
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